Rechner
Was eine offene Pflegestelle wirklich kostet.
Eine unbesetzte Stelle spart keinen Lohn. Sie verschiebt ihn: auf Temporär, auf Überstunden und am Ende auf die Kündigung der Nächsten. Rechnen Sie mit den Zahlen Ihres Hauses nach.
Vorspann und Annahmen
In der Budgetsicht ist eine offene Stelle ein Posten, der gerade nichts kostet. Der Lohn wird nicht ausbezahlt, die Personalkosten liegen unter Plan. Genau diese Sicht führt in die Irre, denn die Arbeit verschwindet nicht mit der Person. Sie wird weiterhin geleistet, nur teurer und von Menschen, die bereits im Haus sind.
Ihre Zahlen
Rechnen Sie Ihren Fall.
Sechs Felder. Die Summe unten aktualisiert sich, während Sie tippen.
Die Überstunden sind mit 25 Prozent Zuschlag gerechnet, nach Artikel 321c Absatz 3 des Obligationenrechts. Der Anteil, der nicht über Temporär gedeckt wird, gilt dabei als vom Stammteam geleistet.
Die vier Posten
Wohin das Geld tatsächlich fliesst.
- Temporär. Der sichtbarste Posten, weil er als Rechnung eintrifft. Eine Temporärkraft kostet deutlich mehr als die eigene Mitarbeiterin, und der Aufschlag bezahlt Vermittlung, Marge und Flexibilität. Dazu kommt, was auf keiner Rechnung steht: Einarbeitung in jeder Schicht, fehlende Kenntnis der Bewohnerinnen, und ein Stammteam, das die Orientierung übernimmt.
- Überstunden. Der Teil, den das eigene Team auffängt. Zusatzschichten, verschobene Freitage, Anrufe am freien Tag. Angeordnete Überstunden kosten einen Viertel mehr als reguläre Stunden, und sie erscheinen im Budget oft erst dann, wenn die Zeitguthaben ausbezahlt oder als Rückstellung gebucht werden.
- Absenzen. Dauerbelastung erzeugt Ausfälle, und jeder Ausfall vergrössert die Lücke, die ihn verursacht hat. Dieser Posten lässt sich nicht vorausberechnen, weil er von Team, Dienstplan und Dauer abhängt. Sichtbar wird er in der Absenzstatistik, meist ein bis zwei Quartale später.
- Fluktuation. Der teuerste und der langsamste Posten. Wer über Monate Lücken trägt, sucht sich irgendwann etwas anderes. Dann beginnt die Suche von vorne, mit einer Stelle mehr und einem Team, das inzwischen kleiner ist. Genau an diesem Punkt hört eine offene Stelle auf, eine einzelne Stelle zu sein.
Die ersten beiden Posten stehen im Rechner. Die letzten beiden entscheiden, ob aus vier Monaten vierzehn werden.
Ehrlich bleiben
Was diese Rechnung nicht zeigt.
- Sie ist ein Modell, keine Erhebung. Wer andere Werte einsetzt, erhält andere Summen, und beide können richtig sein.
- Der Temporärzuschlag schwankt stark, nach Region, Funktion, Dringlichkeit und Anbieter. Fragen Sie Ihre letzten drei Rechnungen an, statt zu schätzen.
- Nicht jede offene Stunde wird ersetzt. Manche Häuser fahren mit reduzierter Besetzung, was in dieser Rechnung nicht auftaucht, im Alltag der Station aber sehr wohl.
- Qualität, Ruf und Teamklima sind hier nicht beziffert. Nicht weil sie nichts kosten, sondern weil jede Zahl dazu erfunden wäre.
Was daraus folgt
Die teuerste Zahl ist die Dauer.
- Verdoppeln Sie im Rechner die Monate und beobachten Sie die Summe. Nicht die Höhe des Lohns bestimmt die Kosten einer offenen Stelle, sondern wie lange sie offen bleibt. Jede Woche früher besetzt ist bares Geld.
- Wer erst zu suchen beginnt, wenn gekündigt wird, hat die Dauer bereits verloren. Zwischen Kündigung und Arbeitsbeginn der Nachfolge liegen Kündigungsfrist, Suche und Einarbeitung, und nur den mittleren Teil kann man verkürzen.
- Ein Inserat erreicht Menschen, die gerade suchen. Der grössere Teil der Pflegefachpersonen ist angestellt und sucht nicht, weshalb die Antwort auf ein Inserat dünn bleibt, auch wenn das Inserat gut ist. Dazu die Zahlen im Beitrag Die Pflegelücke in Zahlen.
- Sichtbarkeit lässt sich aufbauen, bevor eine Stelle offen ist. Wenn Pflegende Ihr Haus schon kennen, ist die erste Bewerbung in Tagen da statt in Monaten. Wie das abläuft, steht in unserer Methode in vier Phasen.
Wenn Ihre Summe oben unangenehm aussieht: Das ist der Betrag, gegen den ein Personalmarketing antritt, nicht der Betrag, den es kostet.
Weiterlesen
Die Zahlen dahinter.
Die Pflegelücke in Zahlen: was 43'400 bedeutet
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Warum Bindung und Neugewinnung dieselbe Rechnung betreffen, und welche Bedingungen Pflegende selbst nennen, wenn sie über Bleiben und Gehen sprechen.
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